Montag, 28. September 2015

Michaeli

Der früher als Festtag gefeierte Michaelitag am 29. September ist das erste, der drei Festen - neben St Martin und St Nikolaus - die uns auf Weihnachten zuführen.
Die Tage werden immer kürzer, die Nächte länger. Die blühende, heranreifende, warme, lichtvolle Sommerzeit ist vorbei, an ihre Stelle treten die Vergänglichkeit, Dunkelheit und Schroffheit des Winters. Die Natur zieht sich zurück und wir uns auch immer mehr in unser eigenes Schneckenhaus. Wir wollen dem Kühlen, Schweren, Düsteren aus dem Weg gehen und freuen uns über jeden kleinen Lichtstrahl.
Bis zu diesem Tag wurde früher der Großteil der Ernte eingetragen, das Vieh von der Sommerweide reingetrieben und in den Stuben brannte das erste mal das Feuer und Licht.
"Sankt Michael zündet die Lichter an."

Obwohl wir schon lange keine Ernte selber hereintragen müssen und unsere Lichter brennen im Sommer, wie im Winter,  ist es schön - besonders mit Kindern - den Michaelitag zu feiern.
Sie lieben die Märchenhaftigkeit und Mystik alter Geschichten. Ganz besonders, wenn es um schöne Prinzessinen und Ritter geht, fühlen sie sich besonders angesprochen und es hilft ihnen die Angst gegen die Dunkelheit und das Unbekannte, Unheimliche zu bekämpen.

Der Erzengel Michael suchte einen Booten auf Erden und wählte den Ritter Georg zu seinem irdischen Vertreter, dem er ein goldenes Schwert schenkte. Ritter Georg zog nun los, um das Böse auf der Erde zu bekämpfen. 
Bald fand er die Flammenburg, wo ein böser Drache eine wunderschöne Prinzessin gefangen hielt. Viele mutige Ritter verloren schon den Kampf gegen das gefährliche Drachengetier, aber St Georg kämpte mit St Michaels Mut und Schwert, besiegte den Drachen und befreite die Prinzessin. 



Während ich die Geschichte erzählte, verzierte Emil die Kreidewand seiner Drachenhöhle unter dem Hochbett mit dem Tafelbild.

Später kamen die Handpuppen nach langer Ruhezeit auch aus dem Korb hervor und wir spielten am Abend ein kleines Puppentheater. Es ist mittlerweile die Zeit gekommen, wo ich im Zuschauerraum sitze und die lebhafte Darstellung mit all den Geräuscheffekten bewundern kann. 




Tief im Stadtwald verborgen fanden wir den gut getarnten Drachen. Im Nu lag er uns zu Füßen, denn
 "Mit Sankt Michaels Schwert, das dem Drachen gewährt, mit Sankt Michaels Mut, kämpfst du sicher und gut"
Ich fühlte mich in der Rolle der Prinzessin mehr, als geehrt! 




Nach meiner Befreiung knetete ich aus lauter Dankbarkeit einen Hefeteig nach diesem Rezept. Nach gründlicher Ruhezeit und mit dem Segen von Sankt Michael, der angeblich der Schutzpatron der Bäcker ist, formte sich unter Emils Hand ein hübscher glückseliger Drache. (Meine Darstellung erntete nur fröhliche Gelächter. Ich gebe zu, mein Drache sah wie ein plattgetretener Molch aus. Wer keinen anständigen Drachen formen kann, darf den auch nicht schmücken. Lediglich mit Rat durfte ich zur Seite stehen).

So hinterlasse ich Euch hier auch einige kleine Tipps um Formbrote zu backen:  Um den Drachen vor unförmigen aufgehen zu bewahren, sollte man den Teig nach dem Formen gut auf dem Blech gehen lassen und eventuell mit einigen Handgriffen wieder in Form bringen bevor er in den Ofen geschoben wird. Möglichst darauf achten, dass keine großen Höhenunterschiede beim "Modellieren" entstehen. (z.B. zwischen Körpermitte, Schnauze und Füße)  sonst ist es schwierig die Backzeit zu kontrollieren. Sollten die flacheren Körperteile zu schnell dunkel werden, kann man sie mit etwas Aulufolie schützen.
Das geformte Brot ist etwas flacher, als normales Brot daher lieber öfter im Ofen nachschauen und eventuell früher aus dem Ofen ziehen. Wenn das Brot beim Anklopfen hohl klingt, ist der Teig durch.  180-190 Grad Oben und Unterhitze reichen aus. (Umluft trocknet den Teig schneller aus)
Zum verzieren eignen sich Mohn- Sesam und Chiasamen, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Rosinen und Trockenobst und allerlei Nüsse, die man auf den mit einem aufgeschlagenem Ei bepinseltem Teig streut, legt, oder steckt.
Den Teig habe ich diesmal mit Dinkelmehl Type 630 zubereitet und mit etwas Honig gesüßt. Es schmeckt wunderbar auch zur Kürbissuppe.



Mutige Ritter und schöne Prinzessinen dürfen das Brot verteilen und vorkosten.
Das Drachenfest ist aber noch nicht ganz zu Ende. Wir warten auf den frischen Herbstwind und wenn er angeweht kommt, lassen wir unseren Papierdrachen zum Himmel steigen. Ab Mitte Oktober werden wir von dem mutigem Georg uns verabschieden und begrüßen dann den mitfühlenden heiligen St Martin und warten auf Nikolaus der uns an das gute Gewissen erinnern wird.

Mut,  Mitgefühl und gewissenhaftes Denken. Ich glaube die Drei brauchen wir Erwachsene gerade auch mehr, als je.













Mittwoch, 23. September 2015

Aus dem Septemberbeet

Der schöne, sonnige Altweibersommer lässt auf sich warten. Zwischen zwei Regenschauern schaffen wir es aber meist wenigstens für ein Stündchen am Nachmittag in den Garten.
Es gäbe so viel zu tun. Die Hecke endlich in Form bringen, noch mal Rasenmähen, Äpfel und Zwetschgen ernten, Kartoffeln ausbuddeln, nach reifen Tomaten schau halten, einige Stauden zurückschneiden und und und. Einiges ist schon erledigt, andere müssen noch warten.

Heute nach dem Regen mit Gummistiefeln und Regenjacken bewaffnet kämpfte ich gegen Hopfen und wilde Brombeeren. Meine Güte sind sie hartnäckig in Plätze-Verteidigung und setzen alle ihre stachelige Waffen mit großem Erfolg ein!  Gegen die Brombeeren sind meine dornigsten Rosen harmlos!

Nach einer halben Stunde suchte ich lieber sanftere Kandidaten. Einige davon lagen sogar fast zur Füßen, als würden sie sich selbst für einen Platz in einem schönen Strauss  bewerben wollen.
Sie steckten ihre hübschen Köpfe und Blätter entgegen und wetteiferten mit Form und Farbe.
Wie hätte ich sie bloß stehen lassen können?

So wanderten blaue, englische Rosenkohlblätter, schlängelnde Mangold- und zarte Fenchelblüten, purpurne Beeren mit und ohne Stacheln, grafische Mohnkapseln und Kugelrunde Distelköpfe in mein Blumenkorb. Platz fanden sie im alten Weinballon.


Auch ohne klassische Blütenprach schön. Sie ließen sogar einige Splittern und Stacheln in meinen Finger vergessen.

Freitag, 18. September 2015

Kinder-Künstler-Skizzenbuch

Die Sommerferien fingen dieses Jahr bei uns ziemlich kühl und regnerisch an. Unser Urlaub war noch weit in der Ferne. Nach gemeinsamen Kochen, Gesellschaftspielen und Vorlesen kam die spontane Idee: "Emil, ich habe ein leeres Heft, hast du Lust ein Ferinebuch anzufangen?"

Ein Ferienbuch kannte ich noch aus meiner Kindheit. In den fast 3 Monaten Sommerferien in Ungarn konnten wir, als Fereinaufgabe so ein Tagebuch führen. Es war kein Pflicht, aber man schaute es in den ersten Schultagen gemeinsam mit der Klasse und der Lehrerin an, wir lasen einige kleine Geschichten daraus vor und zeigten einige reingeklebte Postkarten von Urlaubsorten. Es war was ganz besonderes.


Emil hat am Ende der ersten Klasse viel mehr Spaß am Zeichnen und Basteln, als am Schreiben. So sollte es ein Ferien-Skizzenbuch werden.


An einem Künstlerbuch zu Arbeiten sollte genauso viel Spaß machen, wie das vorher Erlebte war.  So probierten wir viele Materialien und Techniken aus.
Wie kann man am besten einen langen regnerischen Tag darstellen?
Mit Wasserfarben auf einem langen Blatt. Mit Mamas Aqarellkasten und den Zaubereffekten vom Salz und Wachs, wird selbst der Matschetag zum Erlebnis.



Tag zu Tag kam was Spannendes, Neues hinzu. Es machte uns beiden immer mehr Spaß. Es war schön zu beobachten, wie er in Kürze ganz eigene Vorstellungen entwickelte und einsetzte.
Nach einer Wanderung im Wald  wurde geschnipselt und geklebt. Das Garnstück musst unbedingt ins Bild, schließlich hatte er einen langen Seil mitgehabt, was er zum Spielen und Klettern benutzte. Und ja, Blumen waren auch da, wie konnte ich es bloß vergessen haben?



Am See wurden Federn gesammelt und an den Buchseiten wieder ganze Entchen daraus gezaubert.



Das goldene Weizenfeld mit goldene Farbe gemalt. 



Allerlei Prospekte, Karten und Papierschnipsel wurden aufgehoben und zu Collagen verklebt.



An manchen Tagen nur mit wenig Strichen skiziert.



Dann wieder geduldig beobachtet, gesammelt, gepresst, die Seiten leergehalten, abgewartet und gaaaanz vorsichtig eigeklebt.





Die Ideen sprudelten. Ja, man kann mit Zimt, Blaubeeren, mit Rote Beete und Tee malen.
Aber man kann auch zeichen oder kritzeln und krickeln, stempeln, kratzen, spritzen, abreiben, abklatschen, übermalen, abschaben und, und, und...

Der Sommer ist zu Ende. Das Buch ist zwar ganz dick geworden, hat aber immer noch einige Seiten für das nächst kommende Herbst und Winterferien frei.  Bis dahin werden besondere Wochenendtage darin verewigt. Ideen haben wir noch genug!


P.S.   Die ausgewählte Seiten sind mit Absprache des kleinen Künstlers veröffentlicht. Die restliche Seiten bleiben ein Geheimnis!

Donnerstag, 10. September 2015

Preiselbeeren, Preiselbeeren und noch mal Preiselbeeren

Als ich die ersten roten Beeren unter meinen Füßen entdeckt habe war ich schlichtweg begeistert und Pflückte gleich die einzige kleine Tüte voll, die wir im Auto fanden.



Gleich am Abend trennte ich Moos, Heide und Blätter von den hübschen Perlen.


Zum Abendbrot gab es selbstgemachte Köttbullar mit frisch zubereitetem Preiselbeerkompott! Köstlich! Emil wollte gleich welche für ein Fleischklößchenbaum einpflanzen.

Köttbullar

500 g Hackfleisch (z.B halb Schwein, halb Rind oder Elch)
1 kleine sehr fein gehackte, in wenig Butter oder Öl vollkommen gar gedünstete Zwiebel, oder ein Bund fein geschnittener Schnittlauch
1 kleines Bund frische feingehackte Kräuter (Petersilie und nach Belieben Dill)
1 großes  Ei
100 ml Sahne, oder frische Vollmilch
70-100 g Semmelbrösel (je nach festigkeit der Masse)
200 g Pellkartoffel - nach Belieben, auch ohne kein Geschmackverlust -  durch die Kartoffelpresse gedrückt.  Bereitet man das Brät mit Kartoffeln zu, nimmt man etwas weniger Semmelbrösel.
Salz, Pfeffer und 1 Tl gemahlener Piment

Alles vermengen und kräftig durchkneten, bis eine sehr homogene, feine Masse entsteht, im Anschluss kleine, runde, walnussgroße Bällchen formen und für eine Stunde in den Kühlschrank stellen. 
In einem Bräter in etwas Öl bei mittlerer Hitze 10-15 Minuten goldbraun backen. Dabei sollten die Klößchen nur vorsichtig gerüttelt werden, damit sie ihre kugelrunde Form behalten.

Rahmsoße

1,5 Eßl Mehl
300 ml Rinder oder Kalbsbrühe (Fond)
150 ml Sahne
1-2 Eßl Johannisbeergelee
Salz, Pfeffer

Mehl in den übrig gebliebenen Bratensatz anschwitzen, mit Brühe und Sahne aufgießen und langsam köchelnd etwas reduzieren  Mit Salz, Pfeffer und Johannisbeergelee abschmecken.


Preiselbeerkompott

500 g verlesene Preiselbeeren (in gut sortierten Supermärkten sind die verwandten Cranberrys, spätestens in der Adventszeit zu finden)
50 ml Wasser

Die Beeren mit etwas Zucker mischen und mit dem Wasser bei langsamer Hitze zum Kochen bringen. Langsam weiterköcheln, bis die Beeren langsam zerfallen. Einige Minuten köcheln lassen. Nach Belieben süßen und abkühlen lassen. 

(Diese frische Konfitüre schmeckt auch wunderbar zum gebackenem Camembert, Ofenkäse, Wildbraten oder Ente)


   

Mit Kartoffelbrei, oder Pellkartoffeln servieren





Bei unserem nächsten Ausflug waren wir schon besser vorbereitet und wir krochen mit Emil fast zwei Stunden über den Waldboden, wie besessen von den leuchtroten Beeren.




Wir folgten den Rufen, die aus allen Richtungen riefen. Hier, hier, hier ist noch mehr....noch mehr.... meeeeehhhhr......Preiselbeer´.



Hund und Mann saßen an einem großen vermostem Stein, warteten geduldig und behielten alles im Blick. Ab und zu kam die Frage: "Seid ihr nun fertig? Reicht es nicht endlich? Was wollt ihr denn mit so vielen Preiselbeeren machen? Wer soll denn das alles essen? "
Nach einer Weile kam die energische Befreiung von den Preiselbeergeister, die uns immer tiefer in den Wald lockten: "So, jetzt kommt, sonst fahre ich allein und ihr könnt mit den Preiselbeeren schlafen!"

Beim ganzen Rückfahrt durch den Wald spielten wir - die Arme aus dem Fenster gesteckt, mit vom Fahrtwind verwehten Haaren - die Rolle die von Preiselbeergeister besessenen.
Wir konnten ihren Lockrufen einfach nicht wiederstehen und riefen laut:
"Bleib stehen, bleib stehen da sind Preislebeeren!"
Meine Güte! War das ein Spaß!




Am Abend gab es dann Preiselbeeren. Jede Menge Preiselbeeren.
Im nüchternen Zustand auch meinerseits die Frage: "Was wollen wir denn mit so vielen Preiselbeeren machen? Wer soll denn das alles essen?"
Einkochen! Ja, einkochen ist die einzige Lösung.
Den ganzen Abend war ich mit Beerenverlesen beschäftigt. Ich fühlte mich, wie Aschenbrödel in Schweden. "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen" - nur dass ich keine Täubchen zur Hilfe hatte.


Am nächsten Tag kaufte ich in unserem kleinen Tante Emma Laden neun Gläser grüne Spanische Oliven (die waren am günstigsten). Jetzt hatten wir neben jede Menge rote, auch noch grüne "Beeren".
Ich kochte ein. Ja es ist tatsächlich verrückt im Ferienhaus einzukochen, aber ich tat es.
Unser Hauswirt war schlichtweg begeistert, als er die Geschichte hörte. Er lud uns voller Beigeisterung gleich zum Dorffest am Sonntag ein.
Es war wunderbar! Es gab Wildschwein vom Spieß mit Preiselbeeren, ein köstlicher Krautsalat mit Preiselbeeren, Preiselbeerküchlein, Preiselbeerlimonade und für die Erwachsenen Preiselbeermost!
Ja, die Beerengeister schienen uns zu verfolgen, die riefen und riefen immer weiter.

Krautsalat mit Preiselbeeren ( oder getrockneten Cranberries)

1/2 Kopf in feine Streifen geschnittener Weiß- oder Spitzkohl
2 knackige süß-saure Äpfel - in kleine Würfelchen geschnitten
1-2 handvoll frische Preiselbeeren oder getrocknete Cranberries
Apfelessig
Öl
Honig zum abschmecken
Salz, Pfeffer

Kohl mit einer kräftigen Prise Salz mischen und halbe Stunde ziehen lassen. 
Sollte es zu viel Flüssigkeit gebildet haben, abgießen und mit den Äpfeln mischen. 
Drei Teile Öl mit 1 EL Apfelessig,  1 Tl Honig und Pfeffer mit einer Gabel gut verquirlen. (man kann auch alle Zutaten in ein kleines Marmeladenglas geben und kräftig durchschütteln) 
Dressing über den Salat gießen und gut miteinander vermengen. Preiselbeeren vorsichtig darunter heben und mindestens halbe Stunde ziehen lassen. 
Eventuell nachsalzen.






Am letzten Tag pflückten wir uns in den Rausch, diesmal 4 kg vom schwedischem roten Gold mit einem am Flohmarkt erworbenem Beerenkamm. Welch eine Erleichterung, es geht doch viel schneller!
Kurz nach unserer Ankunft saß ich in der heimischen Küche mit den ganzen roten Geistern und sperrte sie in Weckgläser.



Einer wollte auf keinen Fall drin bleiben, er ließ das Glas zerspringen, brach mit einem lauten Knall aus seinem Gefängnis aus und dekorierte die Küchenwand neu.

Jetzt haben wir erstmal genug von Preiselbeeren und von allen roten Geistern!










Montag, 7. September 2015

Auf der Suche nach Bullerbü

Der kühle Herbstwind fegte gleich am ersten Herbsttag die ersten Regenwolken zu, als wollte er uns  daran Erinnern, dass es mit der süßen sommerlichen Leichtigkeit nun endgültig vorbei ist.
Vielleicht erleichterte es tatsächlich den Einstieg in den Alltag, trotzdem fiel es uns schwer die Stille, das satte Grün, die klare Waldluft, die plätschernden Bäche und spiegelglatte Seen hinter uns zu lassen. Die Erinnerungen an die wundervollen Bullerbütage werden uns bestimmt noch an einigen trüben Herbstabenden wärmen.





Die Geschichten der Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf, Madita, Karlson vom Dach, Ronja Räubertochter gehören bei uns seit einer ganzen Weile schon zum beliebtesten Vorlese-, Film- und Hörbuch- Repertoire.
Wie oft haben wir fragen gehört: Gibt es wirklich ein Wald mit so viel Moos, wie bei Ronja? Wo ist Büllerbü? Sind dort alle Häuser so Rot? Wie alt sind jetzt Lasse, Bosse, Lisa und co. Leben sie noch?  Gab es sie wirklich? Wo sind jetzt die geschnitzten Holzmännchen von Michel?
Bevor diese Fragen verschwinden und an die Stelle der Astrid Lindgren Helde andere treten, wollten wir sie besuchen, an ihren Pfaden wandern, mit Leib und Seele uns in ihre Geschichten vertiefen.
So entschieden wir uns, unsere Urlaubstage dieses Jahr in einem kleinen Dorf in Smaland in Schweden zu verbringen.


Und tatsächlich, egal wo man auch hingeht und schaut, Smaland steckt voller Märchen, Sagen und Legenden.
Einige Male hatten wir das Gefühl, auf virtuelle Seiten schwedischer Kinderbücher zu spazieren. Elsa Beskows Wichtelkinder könnten ebenso zwischen Moosbewachsenen Steinen hervorsschlüpfen, wie die Rumpelwichte von Astrid Lindgren.
Stehen wir vielleicht gerade in Ronja Räubertochters Schlucht? Schlug hier auch mal ein gewaltiger Blitz hinein und spaltete den Berg?



Hören wir vielleicht die 1000 Jährige Eiche Geschichten flüstern, wenn wir ganz leise horchen?
Was erzählt sie uns? Was hat sie alles schon gesehen? Wen hat sie schon Schatten gespendet? 



Wackelt der riesige, vom wütigen Riesen hingeworfener Findling wirklich? Schaffen wir ihn gemeinsam zu bewegen?


Finden wir vielleicht auch Krebse im See, wenn Michel und Alfred so viel fangen konnten?


Können wir am Bach die Bullerbü Mädchen beim Froschküssen belauschen?



Die schönsten Geschichten verbergen sich wirklich auf Wald, Wiesen zwischen Preiselbeersträucher und Elchspuren, sind vom Fuchs und Dachs beschnüffelt und von zahlreichen Vögel besungen,  aber auch in so einigen alten, roten Holzschuppen meint man manchmal Peterson poltern hören.



Wir gestatten ein Besuch bei Michel (eigentlich auf schwedisch Emil) auf dem Katthulthof und begrüßten die Ur-ur-urenkel vom Pferd Lukas, der Henne Hinke Lotta und Knirpsschweinchen und zählten im Tischlerschuppen mit ganz wenigen letzten Sommerbesuchern die Holzmännchen.


Wir schlenderten am Nord-Süd- und Mittelhof vorbei und Emil hatte so in der Nachsaison die ganze Scheune zum Heuhüpfen fast für sich allein.




Wir verzichteten auf die Miniaturwelten von Astrid Lindgrens Welt und Nils Holgerson - auch wenn sie angeblich ganz ansprechend für Kinder sein sollten - und schlenderten lieber auf selbst getretenen Pfaden.



Bei den wenigen Städtebesuchen  konnten wir Emils geringere Begeisterung steigern, wenn wir Dank der zahlreichen gelesenen Büchern eine Verknüpfung fanden.
Astrid Lindgrens Geburtshaus in Vimmerby mit Pippis Limonadenbaum im Garten waren mehr, als verlockend. Das großartige Museum mit einer ganz modernen Audioführung in mehrere Sprachen - für Kinder mit eigenen, auf den Alter zugeschnittenen Text - war ein riesen Erlebniss für Groß und Klein.
Wir besuchten Eksjö Stadt, worüber Alfred auf Katthult so fröhlich sang, ("In der schönen Eksjö Stadt, tanzt man die Polka so leicht und so glatt")  und Hultsfred wo er Militärdienst leistete, oder aber Jönköping, wo nach den Erzählungen der alten Kröse Maja damals die Typhus ausbrach und Michel sich stark inspiriert fühlte klein Ida blau zu bemalen.
Die alten Hörspielkasetten liefen immer, bis wir am Ziel ankamen. Sie waren ein Trost, auch wenn Jönköpings Menschen statt in Tyhpusblau, in schicke skandinavische Mode gehüllt durch die moderne Stadt schlenderten.

Smaland ist voller Geschichten, ob in der Stadt, oder auf dem Land.  Hier steckt für jeden ein bisschen Bullerbü. Man muss nur ganz aufmerksam horchen und sich vom kindlichen Neugier und Begeisterung leiten lassen.