Montag, 1. Juli 2013

Dickmilch

Die neue Woche liegt wieder, wie ein leeres, weißes Blatt vor uns. Noch etwas verschlafen startete ich den Montag mit einer Tasse Kaffee und den letzten kleinen Dickmilchmuffins, die wie kleine weiche Kissen vor mir auf dem Teller lagen.



Kennt ihr noch Dickmilch? Früher stand es bei uns im Sommer immer in Krügen, Schalen und Gläser,   auf der Fensterbank. Einige Tage (je nach Temperatur) später, wurden sie gut gekühlt gelöffelt, oder im Kuchen, Soßen, Suppen weiter verarbeitet.
Mein Favorit war Jahre lang Dickmilch mit wenig Zucker und Beerenobst.
Ich liebe die feine, leichte Säure, die wesentlich milder ist, als bei Yoghurt und ich glaube noch mehr liebe ich die Erinnerungen an meine Oma. Nun stehen seit Tagen einige Tassen Milch in der Küche am Fensterbank und warten auf Dick werden.
In Ungarn heißen sie wörtlich übersetzt "verschlafene Milch", also passen wir heute besonders gut zusammen.



Dickmilch ist die wunderbare, mittlerweile leider vergessene Art, leicht sauer gewordene Milch vor dem Wegschütten zu retten.
Früher reichte es die Milch in saubere Porzellan und Glasgefäße zu gießen, an einen warmen Ort zu stellen und 1-3 Tage warten. Fertig war ein erfrischendes Milchprodukt, das vielerlei in er Küche, z.B auch zur Quarkherstellung (Tropfen) verwendet wurde.
Bekommt man frische Milch vom Bauer, ist es immer noch mit dieser Leichtigkeit herzustellen.
Möchte man pasteurisierte Milch aus dem Kühlregal verwenden, braucht man doch noch einige kleine Tricks, um die fehlende Säurebakterien zu ersetzen.

Die frische, am besten Biovollmilch auf etwa 25-30 Grad, also nur lauwarm, erwärmen. In saubere, am besten flache Glas und Porzellanschalen gießen. Zum besseren stocken entweder ein Stückchen Sauerteig, oder Brotstückchen vom Sauerteigbrot in die Schale geben. Hat man schon etwas Dickmilch (auch gekaufte) zum Vorrat, reicht ein Löffel davon in die Milchschale zu geben, oder noch einfacher, Dickmilchkultur vom Reformhaus benutzen und die Milch damit "impfen". ( Was wirklich nicht funktioniert, ist H-Milch. Hier sind alle nötigen Bakterien gnadenlos abgetötet. Der Versuch ist nicht lohnenswert. Das Ergebniss ist eine ecklig-bittere Masse). Jetzt muss man einfach abwarten. Am besten stehen die Schalen schön warm (min. 22 Grad), mit Butterbrotpapier oder ein sauberes Küchentuch abgedeckt.
Die festen und flüssigen Milchbestandteile trennen sich. langsam.  Oben bleibt die schöne, feste, weiße Dickmilch, unten setzt sich eine leicht säuerliche Flüssigkeit ab. 
Bei Soßen, Suppen und beim Backen werden sie zusammen verwendet. Beim Auslöffeln kann jeder selbst entscheiden, wie man es mag. 

Im Sommer gab es oft der saftige, mit Obst belegte Dickmilchkuchen. Gestern nach Jahren wieder auch auf unseren Kuchentellern.



350 gr Mehl, 250 gr Zucker, 250 ml Dickmilch (kann man mit Kefir ersetzen) 3 Eier, 125 gr weiche Butter, oder Margarine, 1 P. Backpulver, abgerieben Schale einer Biozitrone, 1 P.Vanillezucker, 1 Prise Salz.

Weiche Butter mit Zucker, Eigelbe, Zitronenschale und Vanillezucker schaumig rühren. Dickmilch, Mehl, Bakcpulver dazugeben und die mit einer Prise Salz steif geschlagen Eiweiße darunter heben. 
Sollte der Teig zu Flüssig vorkommen etwas Mehl nachsieben, allerdings sollte der Teig nicht fester, als beim normalen Rührkuchen sein.
In eine rechteckige Form gießen, mit Obst belegen. ( im Sommer mit Kirschen, Sauerkirshcen, Aprikosenhälften, oder mit Äpfel, Rosinen und gehacken Nüssen)
Im 180-190 Grad vorgeheizten Ofen etwa 25-30 Minuten backen. (lieber ohne Umluft, damit der Teig nicht austrocknet)

Sollte es ganz schnell gehen, einfach alle Zutaten (Eier ungetrennt) mit dem Rührgerät gut vermischen. 
Wird bisschen flacher, schmeckt aber trotzdem sehr gut. 

In kleine Muffinförmchen gegossen, auch ohne Obst, ein leckerer Kaffee oder Teebegleiter. 


Gerne würde ich Birgit für ein Stückchen Dickmilch-Aprikosenkuchen einladen. Von ihr flatterte das wunderschöne Tischtuch auf den nostalgischen Sonntagstafel.
Vielen Dank!



Kommentare:

  1. Dickmilch... jaaaaa... genau wie du am liebsten mit etwas Zucker und frischen Heidelbeeren :-))
    Der Kuchen klingt verlockend und wird am Wochenende ausprobiert...!!
    Sonnige Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Dickmilch... Schon wieder was gelernt :)... Ich werds ausprobieren!

    AntwortenLöschen
  3. da hast du ja schon wieder kindheitserinnerungen bei mir geweckt! dickmilch stand bei uns zu hause im sommer immer in der küche, wir haben noch jeden abend die milch dazu vom bauern geholt. denn es gab nichts leckereres als süße erdbeeren oder himbeeren aus dem garten, leicht gezucktert und zu dickmilch gegessen.
    dann werd ich demnächst mal milch impfen... und kuchen backen.
    liebe grüße von mano

    AntwortenLöschen
  4. ich mag ja liebeR butteRmilch.
    deine zaRtbepudeRten woRte sind jedoch so veRlockend. und die bildeR ebenfalls.
    liebe gRüße. käthe.

    AntwortenLöschen
  5. Du hast immer so besondere Tipps. Das mag ich <3

    AntwortenLöschen
  6. natürlich kenn ich Dickmilch, gabe es früher im Kramerladen meiner Oma in Bechern zum Verkauf und schmeckte mir am besten in ihrer saure (Milch)Suppe... in die kam kurz vorm servieren ein Klecks Dickmilch... mhhhhhhh lecker !!!
    Liebgruß von Uli - der Kramerin

    AntwortenLöschen
  7. das klingt so schön, liebe éva. und die fotos dazu! dickmilch in nostalgie gebettet. kenne ich nicht, möchte ich ausprobieren.
    liebe grüße von ulma

    AntwortenLöschen
  8. Oh ja, Dickmilch kenne ich noch sehr gut aus meiner Kindheit. Ich muss aber gestehen, dass sie bis gerade in Vergessenheit geraten war. Wie schön, dass Du sie wieder zum Leben erweckt hast! Tolle Bilder zu einer ganz leckeren Sache - ich probier´s mal mit der eigenen "Zucht" :-)!

    Herzlichst in den Montag,
    Steph

    AntwortenLöschen
  9. Oh ja, die Schälchen und Töpfchen standen bei meiner Oma auch immer herum, aber ich fand das als Kind ganz eklig. Aber Dein Kuchen, der ausieht wie kleine Wattewölkchen macht so Lust, dass ich es vielleicht doch mal ausprobieren werde.

    LG verena

    AntwortenLöschen
  10. ha...das ist ja mal eine supersache für meine kinder. also wahrscheinlich finden sie das endprodukt nicht ganz so lecker, aber das abfüllen und warten und schauen, ob was passiert, das könnte sie interessieren.
    lieben dank fürs zeigen!

    AntwortenLöschen
  11. Ja, ohne Hilfe wird heute leider nur ein bitteres, "gegräztes" Zeug aus der Milch. Wir haben früher, wenn in unserem Laden Milch übrig war, auch öfter Dickmilch daraus gemacht. Obwohl sie pasteurisiert war, ging das wunderbar. Mittlerweile ist auch frische Milch aber so lange haltbar, dass ich es nicht ohne Hilfsmittel auf einen Versuch ankommen lassen würde. Dummerweise habe ich hier noch nie Dickmilch gesehen.

    Kennst du auch noch selbst angesetzten Kefir mit einem Pilz, der immer größer wird?

    LG
    Rebekka

    AntwortenLöschen
  12. ja, liebend gern säß ich jetzt zu einem aprikosenkuchen bei dir am tisch;) ich freu mich so, dass dir das tischtuch gefällt und mich hast du mit dieser präsentation ganz glücklich gemacht, denn mein papa hat früher immer dickmilch mit brot und zucker gegessen;)
    liebst birgit

    AntwortenLöschen
  13. ......ein so wunderschöner post! hmmmh, dickmilch mit braunem zucker, stelle ich mir traumhaft vor! herzliche waldgrüsse, dunja

    AntwortenLöschen
  14. Ich gebe es zu, ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben Dickmilch gegessen. Vielleicht ist das eine regionale Sache, aber ehrlich, das kam mir noch nie vor die Nase. Aber bei deinen Worten und diesen Bilden fange ich auch an zu träumen von Dickmilch.. :)
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  15. sehr, sehr schön! ich liebe die kompositionen!

    AntwortenLöschen
  16. Das klingt gut, werde ich ausprobieren! Gab es bei uns früher sicher auch, aber ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern … schade eigentlich. Vielen Dank auch für die Augenfreuden. Liebe Grüße.

    AntwortenLöschen
  17. Oh ja, Dickmilch ist lecker ! Hab schon ewig keine mehr gegessen...die geht im Kühlregal unter all den Joghurts irgendwie unter....aber bei all deinen Tricks bekommt man auch Lust mal selbst welche anzusetzen....besonders um so leckeren Aprikosenkuchen zu fabrizieren;-) Das Rezept pin ich mir gleich mal auf.
    ♥Kerstin

    AntwortenLöschen
  18. Was für appetitliche Bilder. Dickmilch hab ich noch nie selber gemacht, aber das versuche ich auch mal.

    Herzlich, Katja

    AntwortenLöschen
  19. Oh, sieht das lecker aus.
    Schon auf der Nachback-Liste ;)

    AntwortenLöschen
  20. Oh, ja Dickmilch. Errinnert mich an früher. Immer da gewesen, nur als Kind mochte ich die nicht. Jetzt schon.

    AntwortenLöschen