Freitag, 8. November 2013

Typisch ungarisch

Koch mal was typisch ungarisches!

Wenn diese Bitte geäußert wird, weiß ich, dass meist ein Gulaschgericht gemeint ist.
Szegediner Gulasch zum Beispiel. 
Als ich allerdings als 18 jähriger meine erste Zeit in Deutschland, als Au-pair verbrachte, war es mir noch nicht so klar. Es gibt so einige ungarische Gerichte, warum gerade der Szegediner Gulasch in Deutschland so ein Beliebtheit erlangte, war mir unklar.  (Vielleicht wegen der Sauerkraut)

Als meine Au-pair Familie mich darum bat, den berühmten Szegediner-Gulasch zu kochen, (sie wollten sogar ihre Freunde zum Festessen einladen) hatte ich keinen Schimmer was sie meinten.  
Selbst mit 18 war ich schon davon überzeugt,  gut kochen zu können, aber in dem Fall wusste ich nicht mal, wo ich anfangen sollte.
Da Internet, Google, Facebook, Handy, Skype vor 24 Jahren noch nicht präsent waren, telefonieren nach Ungarn ein Vermögen kostete und ich mich aus diesem Grund nicht traute vom Haustelefon anzurufen, rief ich meine Mutter aus einer Telefonzelle an, um nach dem Rezept zu fahnden. Sie war genauso ratlos. 

Gulasch ist bekanntlich eine Suppe und Szeged eine Stadt in Südungarn, aber  wie man dort die Gulaschsuppe kocht.....?  

Am nächsten Tag, als endlich alle aus dem Haus waren, saß ich neben dem Telefon und wartete auf die Erklärung. Die kam auch. Meine Mutter ist zuverlässig. 

Also in Szeged kocht man die Gulaschsuppe nicht nur mit Fleisch und Kartoffeln, sondern mit Gemüseeinlage und gezupfte Nudeln. 
So einfach ist es. 

Und ich kochte. Und es schmeckte.  Trotzdem waren die verdutzten Gesichter am Tisch nicht zu verkennen und ich erfuhr endlich was unter Szegediner-Gulasch gemeint war:
Ein dickes Gulaschgericht, (in Ungarn Pörkölt genannt) mit Sauerkraut und Schmand.
Ach, so! Székelykáposzta. (Székely-Kraut), inspiriert und benannt nach dem ungarischen Schriftschteller und Dichter József Székely (1825-1895).

Ein tatsächlich sehr beliebtes ungarisches Gericht. 


Jedes mal, wenn ich es koche, muss ich an diese Geschichte denken.
Mittlerweile bin ich etwas selbstbewusster und in der deutschen Sprache gewandter.  Ich habe es gelernt, um genaue Beschreibung zu bitten, wenn ich etwas nicht einordnen kann.


So kocht man Szegediner-Gulasch, was eigentlich nichts mit Szeged zu tun hat:

Etwa 300-350 g feingehackte Zwiebeln in Speiseöl oder Schmalz anschwitzen, dabei leicht anrösten. Die Zwiebeln kurz vom Herz ziehen und 20 g schöne, rote, am besten ungarisches edelsüß Paprikapulver unterrühren. Jetzt 1kg in mundgerechte Stücke geschnittene Schweinegulasch (die gekauften, vorgeschnittenen Würfel dritteln, oder vierteln) dazugeben, pfeffern, wenig salzen und leicht anrösten. Dann mit etwas Wasser oder Brühe aufgießen, 1 gewürfelte spitze weiße Paprika, 1-2 enthäutete Tomaten (oder geschälte Tomaten aus der Dose), wenig gemahlenen Kümmel und 1-2 zerstoßene Knoblauchzehen hinzufügen und langsam Schmoren lassen. Immer nur wenig Flüssigkeit angießen. Das Fleisch muss fast in seinem eigenen Saft köcheln. ( Auf diese Weise vorbereiteten Fleisch nennt man in Ungarn Pörkölt. Gerne wird es mit frischen Nockern gegessen, oder weiter verarbeitet. An diese Stelle wäre es schon fast fertig. Nur noch zu Ende kochen und auftischen)
1-1,5 kg milden Sauerkraut ausdrücken. (sehr sauren oder salzigen Kraut ganz kurz in einem Sieb abspülen und sehr gut ausdrücken).
Ist das Fleisch halbgar, das  Kraut dazugeben, alles gut miteinander vermengen, mit etwas Brühe aufgießen, und zugedeckt langsam fertig schmoren. 
Zum Schluss einen halben Liter Schmand vorsichtig unterrühren. 
Ist es zu flüssig geraten mit ganz wenig Speisestärke oder Mehl binden. Nochmals gut aufkochen und servieren. 
Nach Belieben mit feingehacktem Dill bestreuen. 
Als Beilage wird Brot dazugereicht. ( Kartoffel oder Roggenbrot schmecken wunderbar dazu)

Kommentare:

  1. Eine interessante Geschichte! Ich mag es, so mehr von Dir zu erfahren. Und das Gericht -also egal welches-: lecker!

    Herzlichst in den Freitag,
    Steph

    AntwortenLöschen
  2. Damit kann man graue Regenwolken vertreiben - bestimmt!

    AntwortenLöschen
  3. ach, was musste ich lachen über deine Erfahrungen in deutschland und dem, was man hier so unter ungarischer Küche versteht! Mein Vater war im Krieg in Ungarn und wurde dort zum Enthusiasten, was die Küche anbelangt. Glücklicherweise hatten sich in unserem Dorf auch etliche "Ungarn-Deutsche" angesiedelt und die kannten sich in den Feinheiten aus. meine Mutter hat also alle Varianten gekocht ( häufig!). Leider mag ich kein Sauerkraut ( Ausnahme: im Elsaß ), deshalb hat das Székelykáposzta bei mir keine Chance. Aber die Unterschiede habe ich gelernt...
    Frohes Kochen!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  4. Ein Gericht, das ich sehr gerne esse - wenn es wohl von meiner Mutter auch damals "eingedeutscht" wurde, denn an Schmand kann ich mich nicht erinnern. Nach deinem Rezept kann ich es jetzt mal richtig nachkochen. Als ich den Namen gelsen habe, musste ich sofort an "Ich denke oft an Piroschka" und den Namen des Bahnhofs denken - ein Film, der sicher für sehr viele Deutsche damals das Bild von Ungarn stark geprägt hat.
    Deine lustige Geschichte erinnert mich daran, als ich mit gerade 17 in der Küche eines Landhotels auf Mallorca gearbeitet habe und ein "typisch deutsches Gericht" für die Gäste kochen sollte. Herrjeh. Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Braten, Knödel oder Sauerkraut gemacht... ;-)

    Herzlich, Katja

    AntwortenLöschen
  5. wunderschön deine Geschichte zu lesen und ja, auch ich liebe dieses Gericht und wenn es Resten gibt (habe für drei tage gekocht) erwische ich mich dabei, ab und zu auch die Gabel in den kalten Topf zu stechen. Herzlich Piri

    AntwortenLöschen
  6. Ich war auch ein täglich für 6 Personen kochendes Au-pair-Mädchen… puh!
    Meine liebste kulinarische Erinnerung an Ungarn (ich habe tatsächlich vor 25 Jahren an der Uni mal (ganz wenig) Ungarisch gelernt und war danach einen Monat dort) ist eine Sauerkirschsuppe, nicht süss nicht salzig, die es so ziemlich überall als Vorspeise gab. Wunderbar! Falls Du das Rezept hast…?
    ganz liebe Grüsse und ein schönes Wochenende!

    AntwortenLöschen
  7. Ich liiiiieeeeebe Szegdiner-Gulasch. Konnte mich als Kind schon kaum dran satt essen und das ist heute noch so. Mit ganz viel Kraut und ganz wenig Fleisch am liebsten. Und Dein Rezept klingt ist ziemlich gleichlautend dem meiner Mutter. Hach!
    Ganz verzückte Grüße!

    AntwortenLöschen
  8. Schöne Geschichte. Jetzt verstehe ich endlich, warum ein ungarischer Freund nicht verstehen konnte, dass wir Deutschen auch gerne Gulasch essen, aber dass das keine Suppe ist. Sechseinhalb Jahre musste ich auf eine Erklärung warten. Wenn ich ihn im Frühjahr in Budapest wiedertreffe, muss ich ihm das unbedingt erzählen. Und Pörkölt im Restaurant bestellen (bei meinem letzten Besuch in Budapest war ich noch Vegetarierin). Und in einen Supermarkt gehen und meinen schwindenden Vorrat an ungarischen Paprikasorten aufstocken. Danke für das Rezept, da ich mir nichts aus Sauerkraut mache, werde ich es wohl nicht nachkochen. Aber das Rezept, das du mit 18 für deine Au-Pair-Familie gekocht hast, würde mich interessieren. ;) LG Rebekka

    AntwortenLöschen
  9. Fein erzählt und ich liebe dieses Gericht, habe es aber noch nie selber gemacht. Nun bestimmt!
    Auch ein wunderbares Tuch auf dem der Topf steht! leckere Grüße schickt Karen

    AntwortenLöschen
  10. Was für eine vergnügliche Geschichte ;-) Und wie fein du dich damals aus der Affäre gezogen hast... Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
  11. Eine herrliche Geschichte + schön, mehr von Dir zu erfahren!
    Ich kenne es noch nicht, aber jetzt ist es im Kopf und irgendwann probiere ich es und denke an Dich und Deine Geschichte. Schön! :) M.

    AntwortenLöschen
  12. eine wunderbare geschichte.
    wie schön, wenn wir momente immer mit bestimmten erinnerungen verbinden.
    und der gulasch sieht famos aus und hört sich noch viel leckerer an.
    tausend dank fürs rezept und ein wunderbares wochenende dir!!!

    küsse
    eni

    AntwortenLöschen
  13. Daaaanke!!! Ich liebe dieses Gericht und für mich verbindet sich damit ebenfalls eine kleine Jugenderinnerung. Als ich mit 14 in München bei meiner Tante war, die aus Ungarn stammt, gab es dieses oberleckere Gericht und ich aß und aß bis es mir peinlich wurde. So bot ich mich an, die Küche an diesem Tag zu machen, damit ich heimlich noch ein wenig weiter essen konnte ... *grins
    Bestimmt hat Tante es bemerkt und nur nichts gesagt ;-)
    Liebste Grüsse Barbara

    AntwortenLöschen
  14. Typisch deutsch liebe ich dieses unechte Sauerkrautgulasch auch. Allerdings auch noch mit Kartoffeln dazu, die ich so richtig in die dicke Soße drücken kann. Ein wunderbares Herbst/Winter-Gericht. Ich werde es wohl demnächst auch mal wieder machen.

    Grüße! N.

    AntwortenLöschen
  15. Oh danke Éva, das rettet mich, denn diesen Gulasch werden meine Jungs lieben - ich ja sowieso!
    Und deine Geschichte dazu ist so schön, dass wenn immer ich jetzt Szegediner Gulasch lesen oder hören werde, ich dich neben dem Telefon sitzen sehe.
    Danke!

    Katja

    PS: Ich würde mich freuen, wenn du dieses Rezept am Montag mit verlinkst.

    AntwortenLöschen
  16. Danke für das tolle Rezept und die nette Geschichte dazu. Wieder etwas gelernt...

    Liebste Grüße zu dir :-)

    AntwortenLöschen
  17. Immer diese Verwirrungen.
    Ich fürchte es liegt am echten Namen.
    Da hat jemand versucht das Gericht zu etablieren, das geht nicht, wenn man sich die ungeübte Zunge abbricht.
    Hauptsache es schmeckt und ich mag sowohl Pörkölt, als auch Gulasch und szegediner sowieso.
    Gruß vom frollein

    AntwortenLöschen
  18. eine herrliche geschichte! ich esse zwar seltenst fleisch, aber mit sauerkraut hört es ich wirklich lecker an!
    liebe grüße von mano

    AntwortenLöschen
  19. gerichte mit geschichte - und erinnerungen behaftet - bei uns zuhause wurde es vor allem im herbst und im winter oft auf den tisch gebracht.
    lieben gruß!

    AntwortenLöschen
  20. Schöne Geschichte! Mir ist mal in der Türkei was ähnliches passiert, als ich dort etwas "typisch deutsches" backen sollte. Auweia, BACKEN!!! Kochen kann ich frei Schnauze, aber backen ohne Rezept - eine vorprogrammierte Katastrophe! Hab mich dann mit Apfelküchlein (kleine Pfannkuchen mit Apfelstückchen darin) aus der Affäre gezogen...
    Liebe Grüße
    Christiane

    AntwortenLöschen
  21. mmh, du erinnerst mich an ein gericht, dass ich früher gerne gekocht habe und dass nach deinem post nun demnächst wieder mal gekocht wird... ;-)
    schönes foodfoto!!!
    herzlichste grüße & wünsche an dich
    amy

    AntwortenLöschen
  22. Man lernt offenbar nie aus - tolle Geschichte in jedem Fall!
    Herzliche Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen