Freitag, 2. Oktober 2015

Apfel-Einkoch-Fest

Unser kleines Apfelbäumchen im Garten trug dieses Jahr zum ersten mal für seine Größe richtig viele Früchte! Was für eine Freude es war, die duftenden roten Äpfel zu ernten.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis ein kleines Bäumchen jahrelang beim Wachsen zu begleiten, die Jahreszeiten an seinen Zweigen wahrzunehmen, Jahr für Jahr über die wunderschöne Apfelblüte im Frühjahr uns zu freuen und über den ersten Apfel, die er vor zwei Jahren trug. Dieses Jahr waren es schon über 10 kilo.


Es gab Apfelkuchen in verschiedenen Variationen, der Rest wanderte in Gläser, als Apfelmus. Bald kommt ja die gute Kartoffelpufferzeit! Wie schön es sein wird unseren ersten ganz eigenen Apfelmus dazu zu servieren!

Apfelmus: 

Die Äpfel schälen, Kerngehäuse entfernen, wurmstichige und braune Stellen ausschneiden und in grobe stücke würfeln. Die Äpfelstücke in Zitronenwasser legen, damit sie schön frisch hell bleiben.
Die Äpfelstücke mit wenig Wassser bei nicht zu hohe Temparatur zum Kochen bringen ( pro kilo reichen 100 ml Wasser). Wenn die Äpfel schön weich sind, mit einem Pürierstab fein pürieren und nach Belieben mit Zucker, Honig, oder Agavendicksaft süßen. (Ich habe wenig duftenden Sommerblütenhonig zum Süßen verwendet.) Noch heiß in saubere, sterilisierte, heiße Weck oder Twist-Off Gläser füllen. Letzteres nach dem Befüllen für einige Minuten auf dem Kopf stellen.


Kaum habe ich sie verarbeitet kam die richtige Bescherung. Beim unserem Spaziergang an den Gartenwegen entlang wurde Emil fündig.  Ein großer Sack voller Äpfel stand vor einer Gartentür. Zu Verschenken!
"Mama, die habe ich gefunden, die Nachbarn haben sie ausgesetzt! Die nehmen wir auf jeden Fall mit!"
So keuchten wir mit unserer Apfellast im Schlepptau bis zum Gartentor. Dort wartete unsere Nachbarin mit einer Schubkarre halbvoll Äpfel.
"Ich habe so eine reichliche Ernte, ich dachte dieses Jahr werden sie sich auch über ein paar Äpfel freuen. Ich Bäumchen ist noch so klein! Bis es richtig trägt....."

Zwei Tage schleppten wir die Äpfel nach Hause.
Ich schälte, entkernte, raspelte, würfelte, entsaftete und kochte tagelang ein, probierte neue Rezepte aus, experimentierte mit Gewürzen in unterschiedlichen Variationen.




Apfel-Zimt Creme zu Waffeln und Pfankuchen,  Apfel-Zwiebel Konfitüre zu Käse, Apfeldicksaft zum Yoghurt, Apfelsirup zum Tee oder Punsch, die gute Füllung für den gedeckten Apfelkuchen.... Habe ich was vergessen?
Ich muss zugeben, der Duft dieser alten Sorten ist einfach betörend. Die ganze Wohnung roch, wie ein riesiger Apfelgarten, aber nach einigen Tagen hatte ich wirklich Äpfel satt und ich war froh, dass die Kisten und Körbe endlich leer waren.

Apfel-Zimt Aufstrich: 

Äpfel entsaften, oder trüben Bio Apfelsaft vom Markt verwenden.
Nach Belieben mit gemahlenem Ceylon Zimt und Gelierzucker 2:1 nach Packungsangabe mischen.
Ich verwendete Bio Gelierzucker aus Rohrzucker. Zum kochen Bringen. 3-4 Minuten sprudelnd kochen lassen und in sterile Gläser füllen. Frisch befüllte Gläser für einige Minuten auf dem Kopf stellen.

Apfeldicksaft:

Köstlich, aber die Zubereitung verbraucht viel Energie. Ich musste es trotzdem probieren.
Den frisch gepressten Apfelsaft zum Kochen bringen und ganz langsam so lange köcheln, bis es anfängt einzudicken. (Es muss mindestens auf ein fünftel der ursprünglicher Menge einkochen)
Heiss in Wasserbar sterilisierte, kleine heiße Gläser oder Fläschchen füllen. Gläser sofort für einige Minuten auf den Kopf stellen.
Schmeckt wunderbar zur Naturjoghurt oder Dickmilch.

Apfelsirup:

Den frischen trüben Apfelsaft mit der gleichen Menge Zucker, ( auf 1 Liter Saft kommt 1 kg Zucker) etwas frisch gepresstem Zitronensaft oder Zitronensäure mischen und zum Kochen bringen. Nach Belieben mit gemahlenem Zimt abschmecken. Mindestens 5 Minuten sprudelnd kochen lassen und sofort in saubere Flaschen ( am einfachsten mit Bügelverschluss) füllen und sofort verschließen.

Sehr lecker und noch intensiver schmeckt der Apfel-Karamellsirup.

Hier ist die Zucker-Saft Menge auch gleich.
Den Zucker (ich verwende Rohrzucker) in einem Topf langsam erhitzen und  zu einem braunem Karamell schmelzen lassen. ( je dunkler der Karamell, desto herber ist das Endergebnis). Vorsichtig mit dem erhitzten Apfelsaft aufgießen. Köcheln lassen bis der gesammte Karamell wieder geschmolzen ist.  1-2 Minuten sprudelnd weiterkochen und wie oben beschrieben in Flaschen abfüllen.
Natürlich kann man auch diesen Sirup mit Zimt abschmecken.

Lecker in heißem Apfelpunsch, Tee oder mit Prickelwasser, als Durstlöscher.

Apfel-Schalotten Konfitüre

1 kg säuerliche, duftende Äpfel schälen, entkernen und in kleine Würfel schneiden
1 kg Schalotten putzen und in Ringe schneiden
4-5 EL Olivenöl
200 ml Apfelessig
200 ml Apfelsaft oder Cidre (eventuell etwas mehr)
500 g Zucker 
2-3 Stängel Thymian
Salz, Pfeffer

Die Zwiebeln in Olivenöl leicht andünsten, mit dem Zucker besträuen und bei stärkere Hitze leicht karamellisieren. Essig, Apfelsaft oder Cidre, Äpfel und Thymianzweige dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und bei stärkerer Hitze so lange einkochen, bis es eine dickflüssige, marmeladendicke Konsistenz erhält. Thymianstängel entfernen und sofort in heiße Gläser füllen.
Gläser für einige Minuten auf den Kopf stellen.

Schmeckt sehr gut zur Käse.

Kuchenfüllung im Glas:

Die Apfelfüllung habe ich genau, wie in diesem Rezept beschrieben vorbereitet und in heiße Weckgläser gefüllt und im 90 Grad heißem Ofen eingekocht.
Bei Bedarf in Blätter, oder Hefeteigtaschen füllen, oder gleich den leckeren ungarischen Apfelkuchen damit vorbereiten. 

 Zwar bin ich mittlerweile etwas Apfelmüde, aber umso stolzer auf das Endergebnis. Das Beschriften der Gläser war eine willkommene Abwechselung. Das Wort Apfel floss zum Schluss fast von alleine aus der Feder.




Als Belohnung gab es erstmal ein kuspriges Knäckebrot mit Butter und Apfel-Zimtcreme.



Was für ein Genuss! Den Geschmack beschrieb Emil am besten.
"Es ist wie Sommer mit ein bisschen Winter gemischt".










Kommentare:

  1. Éva du bist einfach die Einkoch Königin!!!

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    1. éva, die apfelkönigin war mein erster gedanke.

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    2. oh .. mir fehlt dieses jahr so die zeit .. auf dem apfelfest letzte woche habe ich an 'diesem' schönen stand aber zwei feine aufstriche gekauft: quitte-rose und brombeer-minze - sehr köstlich!! freue mich auf deine kostproben - fremd schmeckt es mir zur zeit besser. wahrscheinlich weil meine gläser in eile gefüllt wurden..

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  2. ..... ich liebe deine fotos und deine beschreibungen dazu! geniesst eure apfel-beute! herzliche waldgrüsse, dunja

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  3. Wirklich ein Fest, liebe Éva, soviel Sommer für den Winter, sehr sehr fein... Neulich habe ich Pflaumenmus gemacht nach Lisas Rezept mit Zimt und ohne Zucker und musste an deine Beschreibung übers ungarische Pflaumenmus-Kochfest denken... Es ist ein Traum, auch mein einfaches Backofenpflaumenmus ;-) Liebe Grüße und ich speichere mir jetzt mal die Rezepte. Ghislana

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  4. Diese Freude kann ich gut nachvollziehen. Als wir unseren Kirschbaum vor 28 Jahren pflanzten schien er uns eigentlich recht groß. Aber in den Folgejahren wollte er kaum weiterwachsen, und unsere Ernte an Kirschen war recht überschaubar. Es gab Zeiten, da haben wir uns geärgert, wenn die Halsbandsittiche morgens in den Baum einfielen und uns einen großen Teil der Früchte wegfraßen. Jetzt wären wir froh, wenn sie denn kämen. Baum wie Erntemenge ist uns weit über den Kopf gewachsen. Und da ändern auch die Nachbarkinder wenig dran, die wir uns ins Geäst laden...
    Viele Freude weiterhin am Apfelbaum! Dieses Jahr ist ein besonders gutes Apfeljahr.
    Herzichst
    Astrid

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  5. Auch hier beugen sich die Bäume auf den Streuobstwiesen unter ihrer Apfellast. Wie schön, dass es Eurer ihnen gleich tut. Toll, dass du die Ernte so fein zu verwerten weißt. Mmmmh!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Nun kann der Winter kommen - Éva hat vorgesorgt ;)
    Sehr gut gefallen mir auch die Teller vom letzten Bild - übrigens...
    liebe Grüße

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  7. liebe Éva, hallo! wir sind hier auch mit reichlich Äpfeln gesegnet.. da sind Deine Rezepte eine wahre Inspiration. gestattest Du mir eine Frage: der Apfelmus, ohne ihn einzukochen und nur wenig extra gesüßt, wie lang hält der sich? leider hatte sich bei uns in einigen Gläsern (twist off) nach vier Wochen bereits etwas pelziges breit gemacht..
    suedostliche Grüße, Anne.

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    1. Liebe Anne, freu mich sehr, dass dir die Rezepte gefallen. Ich habe den Apfelmus auch in Twist off Gläser gefüllt, und nur mit wenig Honig gesüßt. Ein Glas vom letzten Jahr haben wir vor kurzem aufgemacht und es war einwandfrei. Ich habe auf ungarische Art im Trockendunst auskühlen lassen.
      Also, zuerst die Gläser und Deckel im heißen Wasser sterilisieren (ich habe einen großen Topf mit kochendem Wasser auf dem Herd stehen und nehme die Gläser direkt vor dem Befüllen einzeln raus. Nicht mehr abtrocknen!) Den heißen Fruchtmus reinfüllen, sofort schließen und auf dem Kopf gestellt etwa 5 Minuten stehen lassen. Danach die Gläser in ein mit Kissen und Decken ausgelegten Wäschekorb stellen und so ganz langsam auskühlen lassen. So habe ich es von meiner Oma gelernt. Sie hatte nicht mal twist off Gläser, sondern hat den nassen Cellofanpapier stramm über die Gläser gezogen und so in den Trockendunst gepackt. Mit dieser Methode ist mir noch nie etwas kaputt gegangen. Probier mal aus. Es sieht sehr lustig aus, wenn die Gläser erstmal schlafen gehen. Liebe Grüße, Éva

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  8. schlafende apfelmarmelade- wunderbar! ich werde es ausprobieren. ich hab bisher immer nur gelee gemacht, werde aber deine anderen rezepte nachkochen, denn ich habe hier auch noch viele streuobstwiesenäpfel und birnen liegen.
    deine fotos sind so wunderschön!
    liebe grüße, mano

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